Elbingerode, September 2026 – Seit 50 Jahren steht die Suchtarbeit in Elbingerode für Unterstützung, Veränderung und neue Perspektiven. Das 50-jährige Bestehen wurde im September mit zwei Veranstaltungen gewürdigt, die unterschiedlicher kaum sein könnten und doch eines gemeinsam haben: Sie machen sichtbar, was Suchtarbeit über fünf Jahrzehnte bewirken kann. Während der Fachtag den fachlichen Austausch und den Blick auf die zukünftige Entwicklung der Suchthilfe in den Mittelpunkt stellte, wurde beim Begegnungs- und Ehemaligentreffen das persönliche Wiedersehen und das Leben in Abstinenz gefeiert.
Fachtag Sucht: 50 Jahre Suchtarbeit im fachlichen Dialog
Am 16. September kamen rund 200 Fachkräfte aus der Suchthilfe, Kooperationspartner und weitere Gäste im Kirchsaal in Elbingerode zum Fachtag Sucht zusammen. Unter dem Titel „50 Jahre Suchtarbeit in Elbingerode – Historische Entwicklung, aktuelle Herausforderungen und Perspektiven“ wurde auf die Entwicklung der vergangenen fünf Jahrzehnte zurückgeblickt und gleichzeitig der Blick nach vorn gerichtet.
Ein besonderer Programmpunkt waren drei Interviews mit ehemaligen Chefärzten des Diakonie-Krankenhauses: Dr. Richter, Dr. Grau und der heutige Chefarzt Dr. Pecher berichteten aus ihren jeweiligen Perspektiven über die Entwicklung der Suchtarbeit, veränderte fachliche Anforderungen und die Herausforderungen der jeweiligen Zeit.
Damit wurde die Entwicklung der vergangenen 50 Jahre unmittelbar aus unterschiedlichen Generationen heraus sichtbar. Was hat sich in der Suchtarbeit verändert? Welche Herausforderungen sind geblieben? Und welche Perspektiven ergeben sich für die kommenden Jahre?
Anschließend richtete sich der Blick auf die Gegenwart und Zukunft der Suchthilfe. Der heutige Chefarzt und der leitende Psychologe, Dietmar Kemmann des Diakonie-Krankenhauses stellten aktuelle fachliche Entwicklungen und Herausforderungen vor und gingen dabei auch auf gegenwärtige Trends in der Suchthilfe ein.
Ein „Markt der Möglichkeiten“ ergänzte das Programm. Einrichtungen, Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen präsentierten ihre Arbeit und boten Raum für Information, Begegnung und Vernetzung.
Begegnungsfest: Fast 1.000 Menschen feiern Wege aus der Sucht
Nur wenige Tage später, am 19. und 20. September, gehörte das Jubiläum einer ganz anderen Gruppe: den ehemaligen Patientinnen und Patienten, ihren Angehörigen, Mitarbeitenden und vielen Menschen, die sich der Suchtarbeit in Elbingerode verbunden fühlen.
Zum Begegnungs- und Ehemaligentreffen kamen fast 1.000 Menschen zusammen. Das Wochenende war geprägt vom Wiedersehen, persönlichen Begegnungen und gemeinsamen Erinnerungen. Am Samstag gab es eine große Eröffnungsveranstaltung sowie verschiedene Workshops und Gesprächsgruppen. Viele Beteiligte brachten sich persönlich in die Gestaltung des Wochenendes ein – bei der Vorbereitung, beim Auf- und Abbau, an den Verpflegungsständen, in den Workshops, bei der Technik oder bei der Abendveranstaltung.
Ein besonderer Höhepunkt des Abends war das Interview mit zwei ehemaligen Patienten und dem ehemaligen Chefarzt Dr. Richter. Der eine Patient lebt seit zehn Jahren abstinent, der andere seit beeindruckenden 47 Jahren. Zwei Lebenswege, die eindrucksvoll zeigen, dass Veränderung möglich ist und der Weg aus der Sucht weit über die Zeit der Behandlung hinausreichen kann. „Ich komme mindestens einmal im Jahr zurück nach Elbingerode – Elbingerode hat mich gerettet“ – so einer der ehemaligen Patienten im Interview. Auf die Frage, was Dr. Richter den vielen anwesenden Ehemaligen Patienten mit auf den Weg geben möchte, antwortete er u.a.: „Wenn du übern Berg bist, werde auch du ein Freund für Andere die in Not sind.“
Auch die Verleihung der Abstinenzkreuze machte diesen Gedanken sichtbar: 75 ehemalige Patienten erhielten das 1-Jahres-Kreuz, 25 weitere das 10-Jahres-Kreuz. Insgesamt wurden damit 100 Menschen für ihre erreichte Abstinenzzeit gewürdigt. Am Sonntag schloss das Begegnungswochenende mit einem gemeinsamen Gottesdienst.
Ein Jubiläum, das von Menschen lebt
Das Jubiläum zeigte auf unterschiedliche Weise, was 50 Jahre Suchtarbeit in Elbingerode bedeuten: fachliche Entwicklung, kontinuierliche Veränderung und vor allem Menschen, die sich auf den Weg machen und dabei Unterstützung erfahren.
Während beim Fachtag die professionelle Suchthilfe mit ihren Entwicklungen und zukünftigen Herausforderungen im Mittelpunkt stand, wurde beim Ehemaligentreffen sichtbar, wofür diese Arbeit ganz konkret steht: für Menschen, die ihren Weg aus der Sucht gegangen sind, für langfristige Abstinenz und für die Möglichkeit, wieder neue Perspektiven für das eigene Leben zu gewinnen.
So wurde das 50-jährige Jubiläum zu einem Fest, das Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verband – fachlich beim Fachtag und ganz persönlich bei der Begegnung mit den Menschen, deren Lebenswege mit der Suchtarbeit in Elbingerode verbunden sind.
